Parodontitis Therapie wirksamer durch Antibiotikum

Praxis Dr. Bauer & Partner

Parodontitis Therapie wirksamer durch Antibiotikum

Parodontitis, landläufig Parodontose genannt, ist eine durch Bakterien verursachte Infektionserkrankung des Zahnhalteapparates. Mit neuem Verständnis kann diese erfolgreicher behandelt werden.

Die Entfernung von Bakterien durch den Zahnarzt

ist der wichtigste Bestandteil der ursachenorientierten Therapie.

Das  Behandlungsziel ist

  • die Verringerung der Zahnfleischtaschen auf maximal 4 mm
  • die Blutungsfreiheit bei der Untersuchung mittels Sondieren
  • kein Austritt von entzündlichem Exsudat

Die klassische Parodontalbehandlung

verfolgt dieses Ziel durch

  • die Einführung einer adäquaten persönlichen Mundhygiene
  • die professionelle mechanische Reinigung der Zahnoberflächen, wobei Plaque und Zahnstein zunächst durch Scaling und Wurzelglätten entfernt werden
  • 1. Phase: mehreren Sitzungen im wöchentlichen Abstand oder die ganze Behandlung innerhalb von 1 bis 2 Tagen durchzuführen («Full mouth disinfection», Quirynen et al. 1995).
  • 2. Phase: Ist das klinische Ziel 3 bis 6 Monate nach dieser Behandlung noch nicht erreicht, so wird die Therapie in einer zweiten Etappe, meist im Rahmen eines parodontalchirurgischen Eingriffs, fortgeführt.

Zahlreiche klinische Studien lassen den Schluss zu, dass diese Art des Umgangs mit Parodontalerkrankungen zwar wirksam ist (Heitz-Mayfield et al. 2002, van der Weijden & Timmerman 2002), monatelange Behandlungsdauer und die Notwendigkeit aufwendiger chirurgischer Eingriffe aber klare Nachteile dieser zweiphasigen Vorgehensweise sind.

Neustrukturierung in der Parodontologie

Basierend auf neuester wissenschaftlicher Evidenz wird hier ein ursachenorientiertes Behandlungskonzept erklärt, das ein kosten- und zeitsparenderes, minimal-invasives Vorgehen anstrebt.

1. Vorbehandlung

Klinische Untersuchung – Sondierungstiefe (6 Stellen pro Zahn)

Zahnreinigung überhalb des Zahnfleischniveaus (mit Ultraschall- und/oder Handinstrumenten) – Beseitigung von Mundhygienehindernissen

Mundhygieneinstruktion – Instruktion und Einübung einer adäquaten Mundhygienemethode (Zahnbürste, Interdentalraumreinigungsmethode, weitere Hilfsmittel)

Mundhygienekontrolle

2. Entfernung von Belägen unterhalb des Zahnfleischniveaus

Scaling und Wurzelglätten – Gründliches Wurzelglätten bis auf den Zahnfleichtaschenfundus mit Ultraschall- und Handcuretten

Chemische Plaquekontrolle – Mundspülung mit 0,2% Chlorhexidin während 10 Tagen

3. NEU: Systemische Antibiotika unmittelbar nach Scaling und Wurzelglätten

Für Patienten die folgende Bedingungen erfüllen:

  • 1. Vorhandensein von mindestens 4 Zähnen mit ST > 4 mm, klinischem Attachmentverlust 2 mm und radiografischen Zeichen von Knochenverlust
  • 2. Keine Unverträglichkeit gegenüber 5-Nitroimidazol-Derivativen oder Penizillinen
  • 3. Bereitschaft, die Behandlungsvorschrift strikt zu befolgen und während der Therapie keinen Alkohol einzunehmen

Neu: Standardprotokoll (A+M) – 500 mg Metronidazol und 375 mg Amoxicillin, 3 mal täglich während 7 Tagen

Alternativprotokolle

  • – Monotherapie mit Azithromycin, 500 mg 1/Tag, 3 Tage
  • – Monotherapie mit Metronidazol während 10 Tagen (zur Bekämpfung anaerober Keime)
  • – Metronidazol plus Cefuroximaxetil oder Ciprofloxacin (in Abhängigkeit der Empfindlichkeit des Patienten)

Die Gleichwertigkeit dieser Alternativprotokolle ist nicht nachgewiesen.

4. Nachbetreuung (nach 1 und 3 Monaten)

Mundhygienekontrolle – Debridement – Supragingivale Zahnreinigung, falls notwendig

5. Reevaluation und weitere Therapie (nach 3 bis 6 Monaten)

Klinische Untersuchung – PS, ST, Rezession und Bluten auf Sondieren, Suppuration, Furkationsbefall

Weitere Therapie – Planung und Durchführung weiterer Therapie

(Zugangslappen, Furkationsbehandlung, Geweberegeneration und Augmentation, Implantate)

Diese Erkenntnisse sind elementar und von weitereichender Bedeutung. Es ist seit 2011 Zeit für die Neustrukturierung in der Parodontologie.

Professor Andrea Mombelli, leitender Parodontologe und international anerkannter Spezialist für Behandlungen von Zahnfleischerkrankungen der Universität Genf:

„Ich kann das erste Mal Patienten sagen: Wir können Sie heilen“ und “ Ich kann die Vorlesungen der vergangenen Jahre so nicht mehr halten!“